Handyhüllen aus Plastikschrott


Samstag, 21.9.2019: Auf dem Schulfest unter dem Motto „School for future“ haben Milan von dem Bussche und Paul Nehme ihren Stand aufgebaut, wo sie ihr Projekt, mit dem sie den Wettbewerb „Jugend gründet“ des Bundesforschungsministeriums gewonnen haben, vorstellen. Zwar stellen sie heute keine Handyhüllen her, sondern Schlüsselanhänger, aber das Prinzip ist das Gleiche:

Ausgangsmaterial für das Endprodukt ist Plastikmüll aus der Industrie, das die Jungs z.B. von großen Fabriken in Ingelheim erhalten. Diese müssen momentan Geld dafür bezahlen, das sie das Material verbrennen, was sie vermeiden möchten und geben es deshalb an Milan und Paul weiter. Auch Shampoo-Flaschen eignen sich als Rohmaterial, die bekommen sie unter anderem von Oppenheimer Frisören. Zuerst wird das Material sortiert, dann gewaschen, und dann zu einem Granulat geschreddert. Anfangs wurde dies laut Milan noch per Küchenmixer und Gartenschere gemacht. Heute macht das ein 300 kg schwerer Industrieschredder. Das Granulat wandert dann von den Silos in einen so genannten Extruder, eine Kunststoffschmelze. Der jetzige gehört bereits zur 5. Generation – der erste Motor entstammte dem Bett von Milans Mutter und wurde in der heimischen Garage zusammengetüftelt. Aus dem Granulat, das auf 200-300 Grad erhitzt wird, entsteht dann ein so genanntes Filament, eine Kunststoffschnur, welches die Grundlage für den 3-D-Drucker ist. Mit diesem werden dann die personalisierten Handyhüllen bzw. Schlüsselanhänger produziert.

Für die Beiden ist klar: Kunststoff gehört unbedingt recycelt, es ist ein Rohstoff, der weder verbrannt werden noch ins Meer gelangen darf.

Mit ihrer Idee haben sie mittlerweile für viel Aufsehen gesorgt: Nicht nur die lokale Presse hat von ihrem Erfolg berichtet, mehrere Radio- und Fernsehsender wollten sie interviewen und sogar die BILD-Zeitung ist auf sie aufmerksam geworden. Als ich sie auf dem Schulfest anspreche und sie bitte, zu einem Interview für das Jahrbuch zur Verfügung zu stehen, sagt Paul sofort zu und stellt zudem fest, dass ihr Projekt noch gar nicht auf der Schulhomepage stehe – und es sei doch ihre Schule. Es spricht für die beiden Jungs, dass sie neben all der öffentlichen Aufmerksamkeit noch Wert darauf legen, ihr Projekt der Schulgemeinschaft vorzustellen. Überhaupt legten sie bereits während des Wettbewerbs großen Wert darauf, als Repräsentanten ihrer Schule aufzutreten, indem sie z.B. auch Schulpullis trugen.

Die beiden legen auch großen Wert darauf, in den Sozialen Medien vertreten zu sein, wo sie per Blog ihre „Fangemeinde“ auf dem Laufenden halten und über Erfolge, aber auch über Schwierigkeiten berichten. Neben den personalisierten Handyhüllen können Interessent*innen auch die am Schulfest angebotenen Schlüsselanhänger ordern, ebenso wie über ihre Homepage www.qitech.de. Sie geben ihr Wissen immer bereitwillig weiter und wollen auch die Jüngeren ermutigen, einfach Dinge auszuprobieren – bereits als Lerncoach haben sie im Ganztag die Kleinen bei ihren Hausaufgaben unterstützt. Dieses soziale Engagement ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit.

Im Oktober haben sie Großes vor: Als Preis haben sie eine Reise ins Silicon Valley in die USA gewonnen. Dort werden sie neben etwas Sightseeing vor allem die Gelegenheit haben, die großen Firmen wie Google und Apple zu besuchen und eventuell auch wichtige Kontakte zu knüpfen.

Wir wünschen ihnen viel Erfolg!

D. Horn