Besuch des Römerkastells „Saalburg“ der AG Imperium Romanum


Am Mittwoch, dem 02.05.2018, machte sich die Exkursions-AG "Imperium Romanum", bestehend aus vielen interessierten Lateinschülerinnen und Lateinschülern, gemeinsam mit Frau Greve und Herrn Weber auf den Weg zur Saalburg bei Bad Homburg.

Morgens um 9:00 Uhr sind wir am Haupteingang mit einem Reisebus - nach erfolgreichem Durchzählen - losgefahren. Nach einer guten Stunde kamen wir schließlich an. Nun noch ein kurzer Fußmarsch, vorbei an der Kasse, zu den latrinae (also den Toiletten) und schon trafen wir unsere Führer.

Nachdem wir unsere Taschen und Rucksäcke abgestellt hatten, mussten wir, genau wie die römischen Soldaten, in einer Reihe antreten und eine Aufnahmeprüfung bestehen. Dabei wurde einer von uns nach vorne geholt und in ein paar Metern Entfernung von unserem Führer positioniert. Dieser stellte ihm nun ein wirklich einfache Matheaufgabe: "Was ergibt 2 + 2?" Natürlich waren wir anderen zunächst sehr überrascht, da wir mit einer schwereren Prüfung gerechnet hatten. Unser Führer klärte uns jedoch schnell auf: Mit dieser einfachen Frage konnte er in kurzer Zeit überprüfen, wie das Gehör funktioniert und ob alle dieselbe Sprache sprechen. Vor allem letzteres war in einem Weltreich, welches aus verschiedenen Völkern besteht, enorm wichtig, um Befehle erteilen zu können. Nun wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt.

Daraufhin gingen wir los zur sogenannten "Saalburg 1". Diese war die erste Stellung der Römer an dieser Stelle. Ein kleiner Bereich, der von einem Erdwall umgeben war, weiter nichts. Insgesamt gab es 4 Stadien der Saalburg. Die heutige Version entspricht der "Saalburg 4", jedoch mit einigen Fehlern, da diese Rekonstruktion schon vor 100 Jahren von Kaiser Wilhelm II. durchgeführt wurde. Weiter ging es einen Pfad hinunter zum ehemaligen Limes. Hier sahen wir Teile einer rekonstruierten Holzpalisade. Den Limes gab es auch in verschiedenen Stadien. Zuerst waren entlang seines Verlaufes nur hölzerne Wachtürme verteilt, dann kam die bereits erwähnte Holzpalisade zusammen mit steinernen Türmen. Da die Palisade aber sehr anfällig und wartungsintensiv war, riss man sie schließlich wieder ein und errichtete einen hohen Erdwall und dahinter einen Graben. Die lange verbreitete Theorie, dass Palisade und Erdwall zur selben Zeit vorhanden waren, entspricht also nicht mehr dem Kenntnisstand.

Zurück in der Saalburg wurden unsere zwei Gruppen wieder zusammengeführt. Wir kamen in einen Raum und vier von uns wurden wie echte Römer eingekleidet. Wir hatten eine römische Dame in einer edlen Tunika und ihren Ehemann, einen Senator in Toga. Da dieses wichtige Paar selbstverständlich einen Leibwächter brauchte, wurde ein dritter mit voller Kriegsmontur, wie zum Beispiel einem Schwert, dem gladius, ausgestattet. Um auch einmal die Unterbekleidung der Römer sehen zu können, wurde dem vierten ein langes Tuch umgewickelt. Das war die römische Unterhose.

Nun kam die Mittagspause. Und circa 13:00 Uhr gingen wir in die "Taberna" um diverse römische Speisen, wie die lucanicae (römische Wurst) oder den moretum (römischer Kräuterkäse), zu probieren. Wer von allem kosten wollte, bestellte einfach den Römerteller.

Nach gut einer Stunde Pause, ging es um 14:00 Uhr wieder in den Gruppen los. Wir besuchten das Dorf, welches vor den Mauern des Kastells lag und wo hauptsächlich Händler und andere Dienstleister, wie Handwerker und Prostituierte, lebten. Weiter ging es zu den Thermen. Männer und Frauen durften nie zur gleichen Zeit baden. Und während Männer komplett nackt die Thermen aufsuchten, mussten die Frauen eine Art Bikini aus Stoff tragen. Es gab zwei Heizungen, die das Wasser und den Boden erhitzten. Die Thermen bestanden aus einem Kaltwasserbecken, einer Art Sauna, einem Warmwasserbecken und einem Heißwasserbecken. Die Sauna und das Heißwasserbecken lagen direkt an den zwei Heizungen. Vor den Thermen standen die latrinae der Römer. Hier wurden die Hinterlassenschaften durch das verbrauchte Wasser aus der Anlage herausgeschwemmt. Anschließend betrachteten wir uns die aus Hohlziegeln errichtete Fußbodenheizung genauer. Die römischen Fußbodenheizungen waren für die damalige Zeit wirklich extrem fortschrittlich. Sie leiteten die warme Luft mithilfe von Unterdruck durch die Hohlräume im Boden und dann durch Hohlziegel die Wand hinauf. So konnten sie Temperaturen bis 60° erreichen. Danach führte uns unser Führer in ein triclinium (Drei- Liegenzimmer), also in ein römisches Speisezimmer. Der adelige Mann aß bei den Römern im Liegen auf einer Kline. Diese Speisezimmer wurden nach griechischem Vorbild errichtet. Anschließend ging es in den Tempel, in dem die religiösen Pflichten erfüllt wurden. Im privaten Bereich waren die Römer hinsichtlich der Religion sehr tolerant und offen, aber nur solange, wie man seine Pflichten erfüllte. Deshalb kam es auch zur Christenverfolgung. Die Christen konnten aufgrund ihrer Überzeugung die Pflichten der Staatsreligion nicht ausführen und wurden deswegen verfolgt. Im Tempel wurde auch der Kaiser verehrt, obwohl dieser, solange er noch lebte, kein Gott war. Er war aber gottgleich.

Jetzt wurden wir wieder zusammengeführt und stellten uns in eine Reihe. Wir bekamen nun vier römische Befehle beigebracht. Der erste bedeutete: "Eine Viertel Drehung nach rechts!", der zweite: "Eine Viertel Drehung nach links!", der dritte: "Eine Halbe Drehung im Uhrzeigersinn!" und der vierte: "Losmarschieren und ... Stopp!" Nun mussten wir uns der Größe nach in einer Reihe aufstellen und wurden in Dreier-Gruppen eingeteilt. Nacheinander erhielt jede Gruppe ihre Schilde, die man selbstverständlich in der linken Hand hielt. Dann marschierten wir hinaus auf die Wiese. Dort nahmen wir die Schilde nacheinander über den Kopf und stützten sie hinten mit unserer Hand. Vorne wurden sie vom Vordermann oder der Vorderfrau mitgestützt. Wenn es richtig geklappt hätte, wären wir nun von oben komplett geschützt gewesen. In dieser Formation erstürmten die Römer Mauern. Die Schildträger liefen voran bis sie an die Mauer kamen. Dort knieten sie sich hin und andere Soldaten konnten nun über die Schilde laufen und die Mauer überwinden. Wenn es jedoch einmal eine Lücke gab, und dadurch einer der Männer getötet wurde, wurde die Lücke immer größer und die gesamte Formation wurde vernichtet. Anschließend legten wir die Schilde weg und nahmen den Bogen in die Hand. Jeder durfte nun zwei- bis dreimal schießen. Sogar Herr Weber und Frau Greve versuchten ihr Glück.

Zum Abschluss besuchten wir noch einen Tempel des Mithras. Bei seinen Anhängern handelte es sich um einen Geheimbund, der dem Christentum ähnelte. Der größte Unterschied war, dass es bei den Christen nur den "einzig wahren Gott" gab und alle römischen Götter nicht existierten. Bei den Mithras-Anhängern gab es zwar auch nur einen Gott, jedoch glaubten sie auch an die Existenz der anderen Götter. So war zum Beispiel Jupiter auch nur eine Variante des Mithras.

Zum Abschied schenkten uns die Führer noch einen Sesterz. Es war leider nur ein Replikat und kein Original. Nach einer raschen Rückkehr in den Souvenirladen ging es eilig zurück in den Bus und wir fuhren zurück nach Oppenheim. Es war ein wunderschöner und wirklich lohnenswerter Ausflug, den man jederzeit wiederholen könnte. Vielen Dank an Herr Weber und Frau Greve, dass Sie das alles organisiert haben!

Autor: Julius Gutman, 9a