Willi Schwägerl: Helfer mit Herz

Am 13. Oktober 2015 besuchte der ehrenamtliche Hospizbegleiter und Rentner Willi Schwägerl unser Gymnasium. Mit allen Schülern des katholischen Religionsunterrichtes der Jahrgangsstufe 11 sprach er sehr offen über seine persönlichen Erfahrungen in seiner und um seine Arbeit herum und gab uns auch einen Eindruck, wie und mit welchen Motiven die Mainzer Hospizgesellschaft arbeitet. Organisiert wurde das Treffen freundlicherweise von den katholischen Religionslehrern Herrn Hörl und Herrn Wolf. 

Doch wie kam Willi Schwägerl zu dieser ungewöhnlichen Arbeit?

Ursprünglich war er Dozent bei der Firma IBM. Wegen der enormen technischen Weiterentwicklung wurden die älteren Mitarbeiter dort vorzeitig in den Ruhestand geschickt. Herr Schwägerl begab sich nun auf die Suche nach einer neuen Tätigkeit.

In der Allgemeinen Zeitung stieß er auf einen Artikel mit dem Titel: „Der Tod ist ein Teil des Lebens“, der von der Mainzer Hospizgesellschaft handelte. Er fand dort auch eine Anzeige, dass ehrenamtliche Helfer gesucht seien und entschloss daraufhin, sich dort zu melden. In eine Gruppe von drei Männern und sieben Frauen erhielten sie vorher eine vorbereitende Ausbildung, die ihnen die Grundlagen vermitteln sollte. Schnell merkte er, dass er in dieser Arbeit einen neuen Lebensinhalt gefunden hatte, und ist nun mittlerweile seit 22 Jahren mit Freude dabei.

In der ehrenamtlichen Tätigkeit sieht Willi Schwägerl einen großen Vorteil, da er keinerlei verpflichtende Aufgaben hat, sondern lediglich als Begleitung an der Seite des kranken Menschen steht. Bei Problemen oder schwierigen Fällen kann er sich an die den Patienten betreuende Hospizfachkraft wenden oder aber sogar den Fall abgeben.

Überraschend unbeschwert schildert er uns seine Arbeit und auch zum Tod hat er eine Einstellung, die viele von uns in positiver Weise erstaunt hat. Herr Schwägerl sagt, er habe keine Angst vor dem Tod, sondern für ihn sei er etwas Mystisches und er sei auch dankbar, einen Menschen auf dem Weg in den Tod begleiten zu dürfen.

Allgemein stellt er seine Tätigkeit unter das Motto: „Zuhören, annehmen, begleiten und bleiben“, wobei er das Zuhören besonders hervorhebt. Er besucht die Sterbenden in der Regel einmal in der Woche und führt Gespräche, die jedoch nicht von ihm geleitet werden. Im Gegenteil: Er wartet, bis sein Gegenüber zu reden beginnt. Willi Schwägerl möchte keine Ratschläge geben und möchte den Betroffenen auch nicht mit seinem Leiden konfrontieren. Die Krankenschwestern der Hospizgesellschaft kennen die Patienten und schicken Herrn Schwägerl bewusst zu jenen, mit denen er sich wahrscheinlich gut verstehen wird. Man spricht über Hobbys und Erlebtes. Der Hospizhelfer beschreibt die Beziehung zwischen ihm und den Patienten auch als Freundschaft, was er unter anderem als Grund für sein Engagement nennt.

Natürlich wird an diesem Tag auch die seelische Belastung angesprochen. Der 78-jährige schildert daraufhin die einmal im Monat stattfindenden Supervisionen, bei denen jeweils zehn Ehrenamtliche Hospizbegleiter/innen mit einem Psychologen über ihre Gefühlslage sprechen können.

Er selbst gibt zu, auch negative Erlebnisse nennen zu können, jedoch überwiegen die schönen Stunden für ihn. Schwierige Situationen entstehen zum Beispiel, wenn er in familiäre Konflikte gerät. Angehörige tun sich meist mit der Situation eines bevorstehenden Verlustes schwer, und Willi Schwägerl sieht seine Aufgabe darin, Brücken zwischen den Menschen zu schaffen, sie zur Kommunikation zu bewegen und Distanz oder gar unmenschliche Behandlung des Sterbenden zu verhindern.

Auf seine Erfahrungen und seine Meinung zum Thema Sterbehilfe angesprochen sagt er, dass die meisten Menschen, wenn sie direkt mit der Möglichkeit konfrontiert werden, nicht bereit sind und ein ausgiebiges Gespräch meist genügt. Generell unterstützt er die Sterbehilfe daher nicht.

Außerdem kam die Frage auf, was jemand wie er, der beinahe täglich mit dem Tod umgehen muss, über die Zeit nach dem Tod denkt. Er sagt dazu nur, dass man es ja nicht wissen könne und jeder seine eigene Vorstellung haben sollte.

Die Mainzer Hospizgesellschaft gibt es seit 25 Jahren. 22 Jahre davon ist Willi Schwägerl schon dabei. Daher liegt ihm die Organisation natürlich besonders am Herzen. Menschen, so sagt er, würden vor dem Tod oft schlecht behandelt. Bei dieser Gesellschaft findet man jedoch eine menschenwürdige Behandlung auch am Ende seines Lebens. Wie auch der Artikel, steht hier alles unter dem Motto: „Der Tod ist ein Teil des Lebens“. Ärzte, Krankenschwestern und viele ehrenamtliche Helfer stehen dort zur Verfügung und von einem simplen Anruf, bis zur palliativ-medizinischen Versorgung ist hier alles möglich.

Wer mehr über die Mainzer Hospizgesellschaft erfahren möchte, findet auf deren Internetseite alle wichtigen Informationen und Kontakte: www.mainzer-hospiz.de

Menschen in Oppenheim und Umgebung wenden sich gerne an: http://www.hospiz-rhein-selz.org

„Ökumenische Hospizarbeit Rhein-Selz e.V.“ Tel.: 06133 / 571765.

Willi Schwägerls Vortrag kann über diesen Link auch angehört werden.

 

Alles in allem hat der Besuch uns das sonst  abschreckende Thema des Todes auf sehr anschauliche und verständliche Weise nähergebracht. Die Hauptaussage von Willi Schwägerl ist, dass das Ende des Lebens auch lebenswert ist und dass man mit sterbenden Menschen so umgehen sollte, wie sie es brauchen.

 

Veronika Hirsch, Fabienne Syré (Jahrgangsstufe 11)