Stolpersteinführung in Oppenheim

Herr Kemp informiert über das Schicksal der Juden im Dritten Reich
Herr Kemp informiert über das Schicksal der Juden im Dritten Reich
Stolpersteine
Stolpersteine

Juden im Dritten Reich - Das ist das aktuelle Thema der Klasse 10f im Fach Geschichte.

Deshalb unternahm die Klasse am 29.01.2015 in Oppenheim eine Stolpersteinführung. Stolpersteine werden in den Boden eingelassen und besitzen eine kleine Messingplatte, welche an das Schicksal der im Dritten Reich verfolgten Juden erinnert. Geleitet wurde die Exkursion von Frau Stein und Herrn Kemp. Herr Kemp ist ein ehemaliger Geschichtslehrer des Gymnasiums, und er konnte sein gesammeltes Wissen bereits in einem Buch festhalten.

Los ging es am Postplatz, die Mainzer Straße entlang. Nach wenigen Metern stand schon das erste Haus, vor dem Stolpersteine lagen: Mainzer Straße 43, das einstige Zuhause von Henny Spiegel. Die Wohnung ihrer Eltern war damals die einzige jüdische Wohnung, welche in der Reichspogromnacht nicht zerstört wurde. Im März 1939 wurde die Familie in Frankfurt, Niddastraße, einquartiert und von dort aus deportiert. Die Großmutter kam nach Minsk, die Eltern, Norbert und Elisabeth, wurden mit der achtjährigen Henny nach Lodz verschleppt und dort ermordet.

Alle kamen um. Lediglich ihr Bruder überlebte. Er hatte einen Platz in einem Kindertransport in die sichere Schweiz. Henny sollte eigentlich mit ihrem Bruder fahren, ihre Mutter hielt sie jedoch für zu klein. Ein trauriges Schicksal.

Wir gingen die Mainzer Straße weiter hoch und erfuhren immer mehr Geschichten von jüdischen Familien, die hier einst wohnten. Die Klasse beschloss dann wegen schlechten Wetters in das Oppenheimer Stadtmuseum zu gehen. Hier standen Schauwände, die unter anderem die Oppenheimer Synagoge von innen zeigten. Diese wurde in der Reichspogromnacht völlig zerstört, wie uns Herr Kemp ebenfalls ausführlich berichtete.

Vom Markt gingen wir zum Schluss Richtung Rhein, wo sich unweit der Bahngleise der jüdische Friedhof aus dem 18. Jahrhundert befindet. Dieser alte Friedhof wird durch die Stadt Oppenheim gepflegt. Sein Eingangstor ist stets verschlossen und man muss sich bei der Verwaltung einen Schlüssel besorgen, wenn man ihn besichtigen möchte.

Der Tag hat uns viel Neues gelehrt. Die Judenverfolgung war nicht nur in großen Städten wie Berlin ein Thema, sie fand direkt vor unserer Haustür statt. Als wie uns verabschiedeten, schenkte Herr Kemp unserer Klasse ein paar Exemplare seines Buches „Dokumentation Oppenheimer und Niersteiner Juden 1933-1945“. Vielen Dank dafür.

Wir, die Klasse 10f möchten uns bedanken, dass solch ein Ausflug möglich war.

Text: Katja Potratz, Rosa Velten