Projektarbeit in der Oberstufe

Der Ausgangspunkt für die Projektarbeit in der Oberstufe war die Beobachtung, dass die Schüler nur sehr selten Inhalte und Fragestellungen verwandter Fächer vernetzen, um sich damit u.a. das Verstehen und das Lernen zu erleichtern. Als Deutschlehrer gewinnt man immer wieder den Eindruck, dass für viele MSS-Schüler die Epoche der Romantik etwas völlig Neues darstellt, obwohl sie einige Wochen zuvor im Fach Kunst in einer Kursarbeit bereits ein Bild Caspar David Friedrichs analysiert und interpretiert haben.

Auch auf Lehrerseite bleibt man oft auf den Horizont des je eigenen Faches bzw. der je eigenen Fächer beschränkt, den man natürlich immer wieder um Fragestellungen erweitert, welche die Lebenswelt der Schüler betreffen. Aber um die vielen inhaltlichen Parallelen, die Doppelungen, die – für die Schüler vielleicht sogar teilweise widersprüchlichen – unterschiedlichen Erklärungen desselben Sachverhalts in anderen Fächern weiß man oft nicht. Eine Deutschlehrerin, die ansonsten nur Sprachen unterrichtet, kennt den Lehrplan des Faches Physik nicht, nicht einmal die großen MSS-Themenblöcke der Fächer Sozialkunde oder Erdkunde; eine Lehrkraft mit zwei naturwissenschaftlichen Fächern weiß selten, was in der Oberstufe im Fremdsprachenunterricht, in Musik, in Religion oder Ethik laut Lehrplan behandelt werden muss.

Wenn in Stellenanzeigen immer wieder soft skills wie Teamfähigkeit und Selbstständigkeit verlangt werden, sollten alle Schüler der MSS wenigstens einmal Erfahrungen mit Projektarbeit sammeln können. Zwar ist Gruppenarbeit als feste Arbeitsform in der MSS etabliert, aber sie vernetzt nur selten die Inhalte verschiedener Unterrichtseinheiten und Fächer.  

Aus diesen Gründen findet bei uns regelmäßig für die Leistungskurse in der 12. Jahrgangsstufe (gegen Schuljahresende) und die Grundkurse in der 13. Jahrgangsstufe (nach dem schriftlichen Abitur) fächerübergreifende Projektarbeit statt.